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Sagen in Bremen

Von Emma und ihren faulen Brüdern

Am Anfang war ein Huhn

Bremen und die Tiere – das ist eine Geschichte, zu der mehr gehört als die berühmten Stadtmusikanten. Nämlich: Dass es Bremen überhaupt gibt, haben wir einer Henne mit ihren Küken zu verdanken. Der Gründungslegende nach waren heimatlose Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht vor räuberischen Nachbarn mit ihren Kähnen auf der Weser unterwegs. Gern wären sie an Land gegangen, doch sie konnten keine geeignete Stelle finden. Da entdeckten sie eine Henne mit ihren Küken, die sich einen sicheren Ruheplatz für die Nacht suchte, und folgten ihr. Als die Henne sich auf einem Hügel niederließ, beschloss die Gruppe, dass dies ihre neue Heimat sein sollte – Bremen war geboren.
Der Henne, der all das zu verdanken war, haben die Bremer später ein Denkmal gesetzt: Im zweiten Bogen der Rathausarkaden, und hier im rechten Zwickel, findet sich ein Relief der Glucke.

Landgewinnung dank Emma

Nicht nur alle Möwen heißen Emma, sondern auch eine Bremer Adelige im 11. Jahrhundert. Gräfin Emma von Lesum haben die Bremer die Bürgerweide zu verdanken, den Platz hinter dem Bahnhof. Sie hatten die begüterte Witwe um Weideland gebeten. Diese willigte ein, ihnen die Fläche zu überlassen, die ein Mann in einem Tag umgehen könnte. Das brachte ihren Schwager auf, der um sein Erbe fürchtete. Er sorgte dafür, dass einem eigentlich bewegungsunfähigen Mann die Aufgabe zufiel, die Weide abzustecken. Nach Emmas Gebet gelang dem Mann dies aber – sehr zum Ärger des Schwagers. Die Bremer haben auch dem Kranken dafür ein Denkmal gesetzt, sagt die Legende: Sie verewigten ihn zwischen den Füßen des Rolands vor dem Rathaus.

Die sieben Faulen

Die Bremer sind erfinderisch, und das aus wohlverstandenem Eigeninteresse: Wer investiert schon gern sinnlose Arbeit, wenn sich bessere Wege finden lassen? Es gab in Bremen jedenfalls einmal einen ziemlich armen Bauern, der sieben Söhne hatte. Die Söhne waren groß und kräftig. Weil es aber auf dem Hof des Vaters nur wenig Arbeit gab, gaben sie sich dem lieben langen Tag dem Müßiggang hin und waren bald im ganzen Land nur als „die sieben Faulen“ bekannt. So beschlossen sie, in die weite Welt hinauszuziehen, dorthin wo sie gänzlich unbekannt waren.
Als sie nach Jahren in ihre Heimat zurückkehrten, da hatten sie viel gelernt und begannen, ihr Wissen auf dem elterlichen Hof anzuwenden. Sie zogen Gräben, um die Felder zu entwässern, bauten einen Damm zur Weser hin, um Hochwasser abzuwehren, befestigten einen Weg und bauten sich daneben Häuser und gruben schließlich noch einen Brunnen. Erst staunten die Nachbarn. Dann aber waren sie sicher: Die sind nur zu faul, auf den nassen Feldern zu arbeiten, das auf den matschigen Wegen beschmutzte Schuhwerk zu reinigen und das Wasser aus der Weser zu holen.
Wie könnte es anders sein – auch den faulen Brüdern gegenüber haben sich die nachfolgenden Generationen erkenntlich gezeigt. In der Böttcherstraße zum Beispiel erinnert der Sieben-Faulen-Brunnen an sie. Und von ihnen hat die Faulenstraße ihren Namen, in der auch Friedrich Wagenfeld lebte, der die Bremer Volkssagen aufschrieb und 1844 erstmals als Buch veröffentlichte.
 

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